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Montag, 24. April 2006

Ostern

Von wirsindwech, 21:03

Eingebettet in die Zeit der Tag- und Nachtgleiche, die das Frühlingserwachen und damit den Sieg über das Absterben der Natur begleitet und errechnet nach komplizierten Regeln des julianischen Kalenders mit der damit verbundenen anderen Abhängigkeit vom Frühlingsvollmond - anders als im gregorianischen Kalender - beginnen in Griechenland die Vorbereitungen auf das wichtigste Fest des orthodoxen Christentums, nämlich auf den Tod und die Auferstehung Christi.

Die beiden unterschiedlichen Berechnungsmethoden erlauben eine Abweichung von 13 plus 4 Tagen. Somit kann sich eine Verschiebung beider Osterfeste von bis zu fünf Wochen ergeben, was das orthodoxe Osterfest so beweglich macht.

Der "saubere Montag" läutet die 40tägige Fastenzeit im Gedanken an den 40tägigen Aufenthalt Jesu in der Wüste ein. Alles Kochgeschirr wird von Fett befreit, denn genau darauf wird. u.a. während der "mageren Zeit" verzichtet.

In der "Karwoche" (die große Woche) beginnen viele Menschen mit dem Grossreinemachen und den Vorbereitungen für das große Osterfest.

An dem Donnerstag werden in den Familien die Ostereier bemalt. Als Symbol für das von Christus vergossene Blut werden sie hauptsächlich rot gefärbt. Wie bei uns verkörpert das Ei den Beginn allen Lebens, die rote Farbe auch Fruchtbarkeit und Tod. Die Dörfer auf dem Land füllen sich jetzt wieder mit Leben, denn zu Ostern kehrt jede Familie dorthin zurück, wo ihre Wurzeln liegen und feiert mit denen, die noch dort sind.

Der Samstag ist Schlachttag (zumindest auf dem Land). Das zuvor ausgesuchte und noch einige Tage liebevoll gehegte Lamm wird am großen Samstag geschlachtet. Aus den Innereien wird eine Mitternachtssuppe bereitet. Abends, gegen elf Uhr ruft die Glocke die Gemeinde zur Kirchfeier. Alle haben sich vorbereitet und halten Kerzen bereit. Die Kirche ist brechend voll, auch auf dem Kirchhof herrscht dichtes Gedränge. Genau um Mitternacht ruft der Papás die erlösenden Worte. "Er ist wahrhaftig auferstanden". Mit "Chronia polla", welches viele Jahre (Glück und Gesundheit) bedeutet wird es laut, Siegesfreude über den Tod macht sich auf und Knallkörper krachen. Mit dem Ruß einer brennenden Kerze wird ein Kreuz über die Haustür gemalt.

Am Ostersonntag (Tag der Auferstehung) frönt man dem Gaumenschmaus: Das Feuer für das Osterlamm wird geschürt und bereits in den frühen Morgenstunden brutzelt es vor den Häusern über der Holzkohle. Es wird gegessen, getrunken und getanzt bis spät in die Nacht. Und es soll nicht wenige Griechen geben, die nach der Fastenzeit nun mit dem vielen Fleisch und Wein im Bauch ein Krankhaus aufsuchen müssen.

Das Ganze in Bildern findet Ihr wie immer in unseren Fotoalbum.


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